EuGH-Urteil zur Preisbindung: Boni und Rabatte.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) erlaubt ausländischen Versandapotheken die Gewährung von Boni auf verschreibungspflichtige Arzneimittel. Die Resonanz in der Presse ist überaus positiv. Die Frage ist, wer profitiert eigentlich von diesem Urteil am meisten? Etwa die ausländischen Versandapotheken durch die enormen Preisdifferenzen bei den Arzneimitteln in der EU?

Zu fragen ist, zu welchem Preis verrechnen die ausländischen Versandapotheker die Arzneimittel mit den deutschen Krankenkassen? Zum deutschen Festpreis? Das wäre ein gutes Geschäft, denn in den Niederlanden beträgt die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel gerade 6% ,in Deutschland 19%. Die Preise für patentgeschützte Arzneimittel liegen in den Niederlanden im Mittel um 10% unter dem Preisniveau in Deutschland. Wer hat Anspruch auf diesen Preisvorteil? Diese Frage wird in der deutschen Presse bislang nicht abgehandelt.

Gut ist, dass die Preisbindung hinterfragt wird. Schlecht ist, dass nicht klar ist, wer davon profitiert. Das sollten nur die Krankenkassen sein. Dorthin gehören die Boni und Rabatte!

 

 

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Deutschland: Kassen wollen noch mehr Rabatt

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 12.04.2016 sollen die Pharmahersteller bei neuen Arzneimitteln einen Preisnachlass gewähren. Gegenwärtig kann der Hersteller den Preis bei Markteinführung im ersten Jahr selbst festlegen. Erst dann werden mit den Kassen die Preise ausgehandelt. Erfolgreiche Medikamente können so im ersten Jahr für die Kasse enorm teuer werden. Das möchte der Gesetzgeber ändern. Ab einem bestimmten Schwellenwert soll der vom Hersteller festgelegte Preis nicht mehr gelten.
Im Gegenzug möchten die Pharmahersteller, dass die ausgehandelten Preisreduktionen vertraulich sein sollen. Der Grund, Deutschland ist für andere 20 Länder Referenzland im Pharmapreis. Denn dann müsste man die reduzierten Preise auch den anderen Ländern anbieten. Dieses Argument greift aber nicht, weil mittlerweile in allen Ländern den Kassen vertrauliche Rabatte gewährt werden. Alle offenen Listenpreise sind daher nur „Schein“. Auch Deutschland zieht nun bei den Preisen die Zügel stärker an.

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USA: Pharma erhöht die Preise für Arzneimittel erheblich.

Nach einer Meldung von Reuters vom 05.04.2016 erhöhen die meisten US-Pharma-Firmen auch die Preise für weithin gebräuchliche Arzneimittel. Es begann mit dem Toxoplasmose-Mittel Daraprim der Firma Turing Pharma. Der Preis stieg von heute auf morgen um 5000%. Nun ziehen die großen Hersteller nach: AbbVie hebt den Preis von Humira um mehr als 126% an, Amgen Embrel (beides Mittel gegen Arthritis) um 118% und Teva Copaxone bei Multipler Sklerose auch um 118%. Pharma Firmen argumentieren, dass sie damit die Forschung für die Produkte zahlen, die schließlich nicht erfolgreich waren und dass durch ihre Mittel teure Krankenhausaufenthalte verhindert werden.
Weiter argumentieren die Firmen, dass sie in nicht unerheblichem Maße den Versicherungen Rabatte gewähren. So würde das Arthritis Medikament Remicade der Firma Johnson & Johnson nicht um 63% teurer, wie Reuters errechnet, sondern nach Auskunft der Firma nur um 5,4%.
Pharmapreise werden immer undurchsichtiger. Der Patient ist dem Preistreiben völlig ausgeliefert. Die Pharmapreise sind im US-Wahlkampf zu einem Top-Thema geworden. Und in Deutschland? Die gesetzlichen Kassen bekommen ebenfalls Rabatte (teils vertraulich). Die Privatkassen zahlen die verlangten Preise und erhöhen die Beiträge jährlich erheblich. Wie lange soll das noch gut gehen?

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Medikamente „erfolgsabhängig“ bezahlen.

Novartis geht voran. „Pay-per-Performance“-Modelle waren lange in der Diskussion. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis setzt es jetzt in der Praxis um. Der Vorteil, nur wirksame medizinische Behandlungen werden bezahlt. Zwei amerikanische Krankenversicherungen, Cigna und Aetna, wollen es bei dem Präparat Entresto® bei chronischer Herzschwäche umsetzen.
Es besteht aus einer Kombination von zwei Stoffen, dem Neprilysin-Inhibitor Sacubitril und dem AT1-Rezeptor-Antagonisten Valsartan. Vereinfacht gesagt entlasten beide Substanzen im Zusammenwirken das Herz. Sacubitril hemmt das Enzym Neprilysin. So werden körpereigene Stoffe, die die Herzleistung unterstützen, nicht abgebaut. Dazu entlastet Valsartan das Herz durch Senkung des Blutdrucks. In der PARADIGM-HF-Studie zeigte sich, das die Kombination wirksamer ist als die Behandlung mit dem ACE-Hemmer Enalapril allein.

Wie soll die Bezahlung in den USA aussehen?
Cigna will leistungsabhängige Verträge mit Novartis schließen, die verlangen, dass die Verschreibungen mindestens zu ebenso guten Resultaten führen müssen wie in den Studien. Als zweiter Effekt sollen die Krankenhausaufenthalte reduziert werden.

Wie sieht es mit der Erstattung in Europa aus?
In Deutschland, Frankreich wie in der gesamten Europäischen Union steht Entresto® vorerst „unter zusätzlicher Überwachung“. In Frankreich hat das Arzneimittelüberwachungsinstitut Haute Autorité de Santé (HAS) „den bedeutenden Einfluss von Entresto® auf die Kosten der Krankenversicherung“ bereits bekräftigt. In Deutschland muss sich Entresto® derzeit der frühen Nutzenbewertung nach dem Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) stellen.

Novartis und Cigna-Kunden haben große Erwartungen in dieses Abkommen. Novartis verspricht sich einen erleichterten Marktzugang in den USA, die Versicherungen einen besseren Service und Reduktion der Arzneikosten.

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Hillary Clinton will die Preistreiberei bei Arzneimitteln begrenzen.

Ein Auslöser war anscheinend die Preiserhöhung von Daraprim (Pyrimethamin) von $ 13.50 auf $ 750 pro Tablette, nachdem die Turing Pharmaceuticals das Produkt von Impax Laboratories übernommen hatte. Daraprim ist ein sehr altes Arzneimittel. Es wurde 1953 von der FDA zugelassen, in der Indikation der Behandlung der Toxoplasmose in Kombination mit Sulfadiazin und zur Malaria-Behandlung.
Was Frau Clinton vor hat, wenn sie Präsidentin würde, ist für die USA eine Revolution. Dies wäre z.B.: Medicare darf selbstständig Preise mit den Herstellern verhandeln, der Import von Arzneimitteln wäre möglich, Effektivitäts-Analysen für Arzneimittel würden eingeführt werden, Zuzahlungen für teure Arzneimittel würden auf $ 250 pro Monat oder $ 3000 pro Jahr begrenzt werden, Generika sollen verstärkt hergestellt werden und die Exklusivität für biotechnologische Produkte soll von 12 auf 7 Jahre begrenzt werden.
Wenn man bedenkt, dass die meisten innovativen Medikamente gegen Krebs biotechnologische Produkte sind und dass Weltfirmen wie z.B. Novartis (Schweiz) den Schwerpunkt auf diese Produkte gesetzt haben, dann versteht man die Aufregung in diesen Firmen. Für Europa ist das, was Frau Clinton vor hat, nichts Neues. Die USA sind bezüglich Pharma ein Hochpreisland. Dass neue Arzneimittel, wenn sie hoch effektiv sind wie z.B. Sofosbuvir (Sovaldi) bei Hepatitis C, sehr teuer sind hat man noch hingenommen. Dass aber alte Mittel wie z.B. Daraprim einen solchen Preisschub erhalten, das ist dann doch zuviel.

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Jetzt doch, geheime Arzneimittelpreise in Deutschland?

Deutschland (D) liebt die Transparenz, alles schön öffentlich. Aber das hat auch Nachteile, z.B. bei Arzneimitteln. Da D Referenzland für Arzneimittelpreise ist, möchten die Firmen den offiziellen Bezugspreis hoch halten, um in vielen weiteren Ländern den Preis nicht senken zu müssen.  Das gilt insbesondere für innovative hochpreisige Arzneimittel. Große Rabatte auf diese Hochpreise kämen den Kassen sehr gelegen, sie müssten aber absolut vertraulich sein. Wie man das machen kann, darüber denkt jetzt auch die Techniker Krankenkasse (TK) nach. Schon macht sich Empörung breit. Dabei muss man nur nach England und Schottland schauen. Dort werden die Preise auf der Basis einer Kosten-Nutzen-Analyse nach dem QALY-Prinzip verhandelt, um vielen Patienten eine hochwertige Therapie zukommen zu lassen (Patient Access Schemes). Es werden zusätzliche vertrauliche Rabatte von bis zu 50% erzielt.

Die TK ist auf dem richtigen Weg. Noch besser wäre, man würde in D die Rabatte grundsätzlich nach dem QALY-Prinzip verhandeln. Das AMNOG würde es zulassen. Das Problem ist, in D hat kaum jemand praktische Erfahrung mit dem QALY-Prinzip.

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Ein neues Preissystem für Arzneimittel?

Der Novartis-Verwaltungspräsiden Jörg Reinhard äußert sich auf die Frage nach den „rekordhohen Medikamentenpreisen“ von über 150.000 Schweizer Franken pro Kopf und Jahr für neue Krebsmedikamente. In einem Interview im Züricher Tagesanzeiger vom 08.Juni 2015 sagt er: „Im Prinzip gehts darum, dass wir künftig nur dafür zahlen, was dem Patienten hilft. Das wird sich in den nächsten 5 bis 10 Jahren entwickeln“. Weiter,“wir bezahlen nicht mehr pro einzelne Massnahme, sondern dafür, dass sich der Patient besser fühlt. Wenn er sich nicht besser fühlt, zahlt man nicht“. Diese Ideen sind nicht neu, aber dass sie aus der Konzernzentrale eines der bedeutendsten Pharmaunternehmen der Welt kommen ist schon eine Sensation.
Spannend wird, wie man diese Ideen umsetzen will. Einen Preisnachlass wird man ohne Freigabe von Patientendaten nicht erreichen.

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